Ein Studium in Deutschland stellt für viele junge Menschen aus der Elfenbeinküste eine große Chance dar. Doch zwischen dem Wunsch, ins Ausland zu gehen, und einem erfolgreichen Studienverlauf im Ausland müssen mehrere Hürden überwunden werden: Sprachkenntnisse, akademische Anpassung, Finanzierung, Behördengänge, Unterkunft, kulturelle Integration und die Fähigkeit, sich in einem anderen Bildungssystem zurechtzufinden.
Genau um diese Themen herum fand am Dienstag, dem 6. Oktober 2026, in den Räumlichkeiten der Delegation der deutschen Wirtschaft in Côte d‘Ivoire die Podiumsdiskussion zum Programm „Prep-For-Study“ statt, das von der HTW Saar und der fitt GmbH getragen wird.
Ziel des Treffens war es, das Programm vorzustellen, aber auch einen Dialog zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor, den Akteuren im Bildungsbereich und den Institutionen zu eröffnen, die sich für die Zusammenarbeit zwischen Côte d‘Ivoire und Deutschland engagieren.
Ein erster Schritt: Sich auf ein neues Bildungssystem vorbereiten
Für einen Studierenden aus Côte d‘Ivoire bedeutet der Zugang zur deutschen Hochschulbildung nicht nur, eine Zulassung zu erhalten.
Die Bildungssysteme unterscheiden sich voneinander. Die pädagogischen Methoden, der von den Studierenden geforderte Grad an Eigenverantwortung, das Arbeitstempo, die akademischen Erwartungen und der Stellenwert der Praxis können eine echte Eingewöhnungsphase erfordern.
Das Programm „Prep-For-Study“ bietet eine Teillösung für dieses Problem. Es umfasst ein Vorbereitungsjahr, das insbesondere Deutsch, Mathematik, Physik und Informatik umfasst und auf Deutsch unterrichtet wird. Um sich bewerben zu können, müssen die Studierenden insbesondere in ihrem Herkunftsland Zugang zur Hochschulbildung haben oder sich im letzten Jahr der Oberstufe befinden sowie über Deutschkenntnisse der Stufe B1 verfügen oder an einem Kurs teilnehmen, der es ihnen ermöglicht, dieses Niveau zu erreichen.
Die Diskussionen im Rahmen der Podiumsdiskussion haben jedoch ein wichtiges Paradoxon deutlich gemacht: Das für die Teilnahme am Programm erforderliche Niveau reicht nicht unbedingt aus, um direkt ein Hochschulstudium in Deutschland aufzunehmen.
Von B1 auf C1 in neun Monaten: eine echte sprachliche Herausforderung
Dies ist eine der wichtigsten Herausforderungen, die sich aus den Überlegungen zum Bildungsweg ergeben.
Studierende können mit dem B1 Niveau in Deutsch bei Prep-For-Study einsteigen. Anschließend stehen ihnen etwa neun Monate zur Vorbereitung zur Verfügung, um das für den Zugang zum Hochschulstudium erforderliche Sprachniveau zu erreichen, wobei das Ziel darin besteht, zum Zeitpunkt des Studienbeginns das C1 Niveau zu erreichen.
Nach Einschätzung der Direktorin des Goethe-Instituts in der Elfenbeinküste ist dies ein beträchtlicher Sprung.
Der Sprung von B1 auf C1 in weniger als einem Jahr bedeutet nicht einfach nur, mehr Vokabeln zu lernen. Es gilt, ein Niveau zu erreichen, das es ermöglicht, fachliche und wissenschaftliche Vorlesungen zu verstehen, Fachliteratur zu lesen, Texte zu verfassen, Arbeiten zu präsentieren und in einem deutschsprachigen universitären Umfeld ausreichend sicher zu kommunizieren.
Für einen jungen Studierenden, der aus einem Bildungssystem stammt, in dem Deutsch nicht die Unterrichtssprache ist, stellt dieser Fortschritt daher eine ganz eigene akademische Herausforderung dar.
Dies ist auch eine der Fragen, die bei der Vorbereitung der Bewerber stärker berücksichtigt werden sollten: Wie lassen sich Studierende, die diesen Schritt bewältigen können, früh genug erkennen? Wie lässt sich die sprachliche Begleitung intensivieren? Und wie lässt sich vermeiden, dass ein Studierender, der seine akademische Vorbereitung erfolgreich abgeschlossen hat, beim Zugang zur Universität aufgrund seines Sprachniveaus ins Stocken gerät?
Das Programm sieht genau diesen interdisziplinären Ansatz vor, der Sprachunterricht und akademische Fächer miteinander verbindet. Doch der Fortschritt von B1 auf C1 innerhalb weniger Monate bleibt ein wichtiger Punkt, der für den Erfolg des Studienverlaufs im Auge behalten werden muss.
Ein Wandel, der sich nicht nur auf die Sprache beschränkt
Die Frage der Sprache ist eng mit der Anpassung an das deutsche Hochschulsystem verbunden.
Ein Studierender kann zwar über die erforderlichen fachlichen Kenntnisse verfügen, dennoch Schwierigkeiten haben, einer Vorlesung auf Deutsch zu folgen, die Anweisungen zu verstehen, selbstständig zu arbeiten oder den Anforderungen eines anderen akademischen Umfelds gerecht zu werden.
Die Vorbereitung muss daher als umfassender Übergang verstanden werden:
- sprachlich,
- akademisch,
- kulturell und
- persönlich.
Genau darin liegt die Bedeutung eines Vorbereitungsjahres. Es soll dem Studierenden ermöglichen, schrittweise vom Status eines Gymnasiasten oder Studierenden in der Elfenbeinküste zu dem eines internationalen Studierenden zu gelangen, der in der Lage ist, sich selbstständig an einer deutschen Hochschule zurechtzufinden.
Die Finanzierung: eine weitere Zugangsbarriere
Selbst wenn das akademische Projekt solide ist, bleibt eine weitere Frage offen: Wie lässt sich der Studienaufenthalt finanzieren?
Für eine ivorische Familie bedeutet ein Studienvorhaben in Deutschland weit mehr als nur die mit der Bildung verbundenen Kosten. Zu berücksichtigen sind Unterkunft, Verpflegung, Transport, Versicherungen, Behördengänge, die Reise sowie die täglichen Ausgaben.
Die Frage der Finanzierung erhält somit eine strategische Dimension: Welche Studierenden werden diese Chance tatsächlich nutzen können?
Aus diesem Grund widmete die Podiumsdiskussion einen speziellen Abschnitt den Finanzierungsmechanismen, Stipendien und Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit öffentlichen und privaten Akteuren.
Das Programm sieht außerdem die Möglichkeit eines „Prep-For-Study Award“ vor, der von Partnern unterstützt wird.
Es geht also darum, Mechanismen zu entwickeln, die verhindern, dass internationale Mobilität ausschließlich den Studierenden vorbehalten bleibt, deren Familien bereits über die erforderlichen Mittel verfügen.
Visum, Unterkunft und Einleben: Unterstützung schon vor der Abreise
Eine weitere Herausforderung ergibt sich bereits vor der Abreise.
Für einen jungen Studierenden können die Formalitäten rund um das Visum, die Unterkunft und das Einleben in einem neuen Land schnell komplex werden. Deshalb umfasst die im Rahmen des Programms vorgesehene Unterstützung insbesondere Hilfe bei den Visumformalitäten, die Suche nach einer Unterkunft sowie einen Abholservice am Frankfurter Flughafen.
Dieser Aspekt ist von entscheidender Bedeutung: Der Erfolg eines Mobilitätsprojekts hängt nicht allein von den akademischen Leistungen ab. Der Studierende muss auch unter ausreichend sicheren Bedingungen im Gastland ankommen können, um sich auf sein Studium konzentrieren zu können.
Und was kommt nach der Vorbereitung?
Das ist die Frage, die man sich gleich zu Beginn des Weges stellen muss.
Was passiert nach den neun Monaten bei Prep-For-Study?
Das Ziel besteht nicht einfach darin, ein Vorbereitungsjahr abzuschließen. Es geht darum, tatsächlich bereit zu sein, eine anspruchsvolle Hochschulausbildung zu beginnen.
Der Weg kann insbesondere zu einem Bachelor-Studium im Bereich Ingenieurwesen an der HTW Saar oder zu dualen Studiengängen an der ASW führen, die es ermöglichen, praktische Erfahrungen in einem Unternehmen zu sammeln und gleichzeitig das Studium fortzusetzen.
Das bedeutet, dass die verschiedenen identifizierten Herausforderungen:
- Sprache,
- akademisches Niveau,
- Finanzierung,
- Anpassung und
- Begleitung
als Glieder einer Kette betrachtet werden müssen.
Eine ungelöste Schwierigkeit in einer dieser Phasen kann den weiteren Verlauf des Bildungswegs gefährden.
Die entscheidende Rolle der Unternehmen und Partner
Die Teilnahme von Akteuren aus der Privatwirtschaft an den Gesprächen hat zu einer breiteren Perspektive beigetragen.
Unternehmen können dazu beitragen, Brücken zwischen Bildung und Beschäftigung zu schlagen, insbesondere durch duale Ausbildungsgänge. Sie können sich zudem an den Überlegungen zu den gefragten Kompetenzen sowie zu den Möglichkeiten der Betreuung oder Finanzierung der Studierenden beteiligen.
Die Podiumsdiskussion warf somit eine Frage auf, die über den rein akademischen Rahmen hinausgeht:
Wie lässt sich ein Ökosystem schaffen, in dem die Studierenden von der Studienberatung in der Elfenbeinküste über ihre Ausbildung und Berufserfahrung bis hin zu ihrer späteren Eingliederung in den Arbeitsmarkt begleitet werden?
Dieser Ansatz setzt eine engere Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen, Kooperationsorganisationen und Finanzierungspartnern voraus.
Hindernisse in Erfolgsfaktoren verwandeln
Die Podiumsdiskussion „Prep-For-Study“ hat eine wesentliche Erkenntnis zutage gebracht: Es reicht nicht aus, eine Mobilitätsmöglichkeit zu schaffen. Man muss auch die Voraussetzungen für deren Erfolg schaffen.
Für einen ivorischen Studierenden kann der Weg zur deutschen Hochschulbildung von mehreren Übergängen geprägt sein: dem Wechsel von einem Bildungssystem zum anderen, von einer Sprache zur anderen, von einem kulturellen Umfeld zum anderen und oft auch vom familiären Umfeld hin zu einem wesentlich selbstständigeren Studentenleben.
Der Übergang vom Niveau B1 zum Niveau C1 innerhalb weniger Monate veranschaulicht diese Realität besonders gut. Er stellt eine große Herausforderung dar, die bereits bei der Auswahl und Vorbereitung der Kandidaten berücksichtigt werden muss.
Ebenso kann die Frage der Finanzierung nicht losgelöst von der akademischen Frage behandelt werden. Ein Student, der zwar hervorragend vorbereitet ist, aber nicht in der Lage ist, seine Unterkunft oder seine täglichen Ausgaben zu finanzieren, wird sein Vorhaben nicht zu Ende führen können.
Die Herausforderung besteht daher darin, einen schlüssigen Bildungsweg zu gestalten, in dem sprachliche Vorbereitung, akademische Vorbereitung, Finanzierung und persönliche Betreuung Hand in Hand gehen.
Ein weiterer Austausch zwischen der Elfenbeinküste und Deutschland
Das Treffen am 6. Oktober 2026 ist somit mehr als nur eine Vorstellung des „Prep-For-Study“-Programms. Es eröffnet einen Raum für den Dialog über die konkreten Voraussetzungen, die für den Erfolg ivorischer Studierender erforderlich sind, die ein Studium in Deutschland aufnehmen möchten.
An dem Austausch nahmen Vertreter von DVV International, Wilo, Mécanat, der Eranove Academy, des DAAD, des Goethe-Instituts, von Igus Côte d’Ivoire, des Bildungsministeriums und der Delegation der deutschen Wirtschaft in Côte d‘Ivoire sowie weitere Akteure aus dem institutionellen und wirtschaftlichen Bereich teil.
Diese Vielfalt ist wichtig: Die identifizierten Herausforderungen können nicht von einem einzigen Akteur bewältigt werden.
Der Erfolg eines internationalen Studierenden ist das Ergebnis einer Reihe von Unterstützungsmaßnahmen: einer guten Beratung, einer ausreichenden sprachlichen Vorbereitung, einer angemessenen akademischen Begleitung, Finanzierungsmöglichkeiten, administrativer Unterstützung und letztendlich beruflicher Perspektiven.
In diesem Sinne können die Brücken zwischen der Elfenbeinküste und Deutschland ihre volle Bedeutung entfalten.
Prep-For-Study kann ein Einstieg in das deutsche Hochschulsystem sein. Doch damit dieser Einstieg tatsächlich zu einem akademischen Erfolg führt, muss der Studierende auf seinem gesamten Weg begleitet werden.
Und dieser Weg beginnt schon lange vor seiner Abreise aus Abidjan.